Was ist mehr wert als Gold?

Drei Tage im „Golden Bay“ in Neuseeland – mit Erfahrungen, die genauso viel wert sind wie der Name der Gegend schon sagt 🙂

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die stellvertretend für die unglaubliche Gastfreundschaft der Neuseeländer steht. Eine kurze Erzählung, die vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken anregt…

Ich habe einen Bekannten, der letztes Jahr auch durch Neuseeland gereist ist. Als ich ihm erzählt habe, dass ich momentan im Norden der Südinsel bin, da hat er gesagt, ich solle unbedingt nach Takaka fahren, falls ich noch Zeit hätte. Dort würde eine extrem nette Familie wohnen und es wäre toll, wenn ich ihnen liebe Grüße bestellen könnte. Deren Gastfreundschaft sei mir garantiert, meinte er…

Das war im Endeffekt der Hauptgrund dafür, dass ich überhaupt nach Takaka gereist bin. Ich hatte zwar auch von vielen Leuten gehört, dass es eine interessante Stadt sein soll, aber ich denke, wenn ich nicht den Kontakt zu der Familie gehabt hätte, hätte ich es vermutlich nicht getan.

Alles, was ich hatte, waren die Namen der beiden Eltern – Ruth & John – und deren Adresse. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wer sie sind, wer noch dort wohnt oder wie sie aussehen. Und genauso wenig wussten sie von mir. Genaugenommen wussten sie noch nicht einmal, dass ich komme, da wir uns ja vorher in keiner Weise ausgetauscht hatten. Das einzige, was ich wusste war, dass sie Kinder hatten und dass sie in einem Haus auf einem Hügel etwas außerhalb der Stadt wohnen.

Es war schon ein etwas komisches Gefühl, einfach so zu einem Haus hinzuspazieren und zu wissen, dass man gleich mitten in ein Familienleben hineinplatzen würde, ohne dass man irgendwie erwartet wird. Aber nachdem ich am Tag zuvor das Hitchhiking überstanden hatte, war ich zuversichtlich, dass ich auch das schaffen würde ;-).

Und im Nachhinein muss ich sagen, ich bin wirklich froh, dass ich dort vorbeigegangen bin. Nachdem ich mich vorgestellt hatte und erzählt hatte, wie ich von ihnen gehört habe, haben die beiden mich total nett begrüßt und Ruth hat mich sogar direkt umarmt. Sie meinten, sie freuen sich immer über Besucher und haben mir angeboten, dass ich dort übernachten kann – und das, nachdem wir gerade mal ein paar Sätze miteinander gewechselt hatten.

Normalerweise bin ich eher die Person, die eine Weile braucht, um sich einzugewöhnen und wenn ich Leute noch nicht gut kenne, dauert es etwas länger, bis ich mich wirklich wohl fühle. Aber bei dieser Familie habe ich mich fast ab der ersten Sekunde an so willkommen gefühlt. Fast wie ein Teil der Familie, obwohl ich insgesamt nur eineinhalb Tage dort verbracht habe.

Mir wurden zuerst alle Leute vorgestellt. Die beiden haben vier Adoptivkinder, die alle noch zur Schule gehen und die Mutter von Ruth wohnt in einem kleinen Haus nebenan. Sie hat ein paar Zimmer in ihrem Haus übrig, die sie manchmal für Gäste benutzt, das heißt, ich habe für die zwei Nächte dort mein eigenes kleines Zimmer mit gemachtem Bett und sogar Handtüchern bekommen. Sie haben alle immer wieder betont, dass ich mich wie zu Hause fühlen soll und ich wurde behandelt, als würde ich zur Familie dazugehören. John hat morgens einfach mehr Frühstück gemacht und abends konnte ich auch mitessen.

Ruth und John sagen, sie handeln nach dem Prinzip des Gebens & Nehmens, allerdings auf eine andere Art und Weise. Viele Menschen denken, wenn sie etwas nehmen, dann müssen sie auch etwas geben und wenn sie etwas geben, dann müssen sie auch etwas dafür zurückbekommen. Laut den beiden ist es aber viel schöner, etwas zu geben ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Manchmal kommt die Gegenleistung dann von selbst zurück, vielleicht einfach nur in Form eines Lächelns oder netter Worte. Und auch wenn nicht – dann bekommt man vielleicht irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt von einer ganz anderen Person etwas gegeben, ohne dafür selbst etwas geben zu müssen. Es gibt also immer ein Geben & Nehmen, aber es muss nicht zwangsweise zur selben Zeit und zwischen den selben Personen stattfinden.

Kurz gesagt: Die beiden macht es glücklich, Leuten eine Art Zuhause bieten zu können, ohne dafür etwas zu verlangen.

John war auch der Meinung, dass Reisen manchmal durchaus anstrengend sein kann – stimmt! – und er die Vorstellung schön findet, dass Leute in ihrem Zuhause ein bisschen zur Ruhe kommen und sich wieder selbst „aufladen“ können, bevor sie dann weiterreisen.

Ich fand die Zeit dort auf jeden Fall echt toll und hatte einige inspirierende Gespräche mit den beiden. Es ist selten in meinem Leben passiert, dass ich mich an einem fremden Ort so schnell so wohl gefühlt habe. Wenn ich die Stunden zusammenrechne, die ich mit der Familie verbracht habe, sind es nicht besonders viele, aber es fühlt sich an, als wäre ich eine lange Zeit da gewesen! 🙂

Ich habe leider, leider keine Fotos von der Familie selbst – aber ein paar Fotos von dort will ich euch trotzdem zeigen…

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