Zu Besuch in einem echten Maori-Dorf

Ich weiß nicht, ob sich manche von euch noch an meinen Beitrag von letztem November erinnern, als ich von dem Maori-Dorf erzählt habe… Das Dorf mit dem unglaublich langen, kompliziert klingenden Namen…
Das war damals das erste Mal, dass ich einen Einblick in die Kultur der Maori bekommen habe. Dazu muss ich aber sagen, dass es natürlich ein sehr touristisch ausgelegtes Dorf war. Es war zwar interessant und hat mir einen Eindruck von dem Leben der Maori gegeben, aber vieles war vermutlich sehr „zur Show gestellt“ und nicht wirklich dem Alltag entsprechend.

Ich freue mich, nun sagen zu können, dass ich in einem nicht-touristischen Maori Dorf gewesen bin. Die letzte Woche über habe ich nämlich bei Wiremu und Jana gewohnt, mal wieder zum WWOOFen. Jana kommt ursprünglich aus Tschechien und Wiremu ist Maori, kommt also aus Neuseeland.

Ungefähr eine halbe Stunde von deren Haus entfernt liegt das Maori-Dorf, in dem Wiremu aufgewachsen ist. Er selbst wohnt mittlerweile nicht mehr dort, aber eine ganze Reihe seiner Verwandten haben dort noch ihre Häuser, in denen sie wohnen. Der Grund dafür, dass ich das Maori-Dorf überhaupt sehen konnte war, dass dort innerhalb der Familie am Wochenende eine große Veranstaltung namens Hura Kohatu stattfand, wobei ich in der Küche mithelfen sollte.
Solche Veranstaltungen werden bei den Maoris gehalten, wenn der Tod eines Familienmitglieds ein Jahr oder länger zurückliegt – in diesem Fall ging es um Wiremus Vater, der vor drei Jahren gestorben war. Diese Veranstaltungen sollen einerseits als Erinnerung an die Person dienen, andererseits als Weg, um Verwandte zusammenzubringen, die sich entweder lange nicht oder evtl. sogar noch nie persönlich gesehen haben. Für Wiremu stimmte das auch: Er hat durch die Veranstaltung einige Cousins und Cousinen kennengelernt, die er bis dahin noch nie persönlich getroffen hatte.

Ein großer Unterschied zu dem touristischen Dorf in Rotorua ist allerdings, dass das ganze kein abgesperrter Bereich ist. Im Grunde ist es auch kein separates Dorf, sondern einfach nur eine Art Stadtteil, in dem hauptsächlich Maoris wohnen, der aber für jeden frei zugänglich ist.

Abgesehen von einem kleinen Platz und zwar dem Marae (ausgesprochen „Marai“).

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Den Marae darf man nur betreten, wenn man bereits eingeladen wurde, durch das Tor zu gehen. Das war also das, womit die ganze Veranstaltung begann: Von den insgesamt 160 Leuten, die an dem Tag kamen, war ungefähr die Hälfte noch nie dort in dem Dorf gewesen und waren deshalb auch noch nie in den Marae eingeladen worden. Ich selbst habe mich dann also unter die Menschen gemischt und habe vor dem roten Tor gewartet, bis wir dann alle offiziell eintreten durften.
Hinter dem Tor waren ganz viele Stühle aufgestellt, die eine Seite für die „Bereits-Eingeladenen“ und die andere Seite für die „Neuen“. Als so langsam alle einen Platz gefunden hatten, wurden ungefähr eine Stunde lang Lieder gesungen und Reden gehalten – leider allerdings auf Maori, daher konnte ich nicht allzu viel verstehen.

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Links durften die Leute sitzen, die bereits eingeladen waren. Rechts die Stühle für alle Neuen.

Nachdem dieser Teil erledigt war, ging es hoch auf einen Hügel zu dem Friedhof der Familie. Dort haben sich dann alle um das Grab herum versammelt und darauf gewartet, dass der Grabstein enthüllt wurde. Dann wurden wieder Reden gehalten und Lieder gesungen – dieses Mal wurden sogar Liedtexte verteilt, ich konnte also mitsingen :-). Eigentlich wollte ich ein Video von dem Gesang hier hochladen, habe aber eben entdeckt, dass das leider nicht geht. Vielleicht finde ich noch einen Weg, es euch zu zeigen…

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Der Friedhof mit Blick auf das Meer…

Danach ging dann meine Arbeit weiter. Nun gab es nämlich das große Festmahl für die Gäste, das heißt, es musste ganz viel gespült, gewaschen und vorbereitet werden. Das Essen für uns „Arbeiter“ kam erst ganz zum Schluss, nachdem das meiste in der Küche fertig gewaschen war und die Gäste ihr Essen beendet hatten.

War ein sehr interessanter Tag und definitiv etwas, was nicht jeder Reisende mal eben so erfährt! Ich war sehr froh, dass Wiremu und Jana mir diese Möglichkeit gegeben haben!

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